200 Jahre St. Matthias Bruderschaft Lich-Steinstraß
2002



200 Jahre St. Matthias-Bruderschaft Lich-Steinstraß

Einführung in die Chronik

Liebe Gäste,
Liebe Freunde unserer Bruderschaft,
Liebe Mitglieder, Liebe Pilger und Pilgerinnen,

im Jahre 2002 besteht unsere Bruderschaft 200 Jahre.
Wie viele Pilger mögen in dieser Zeit mit unserer Bruderschaft den Weg nach Trier gegangen sein?

Brachen in den ersten Jahren nach der Gründung doch über 200 Pilger aus Lich-Steinstraß auf zu einer Wallfahrt nach Trier, jedoch bestehen keine Unterlagen aus dieser Zeit.

Doch die bevorstehende Umsiedlung unseres Ortes gab die Gemeind Nierzier das Buch "Lich-Steinstraß Unverlierbare Heimat" heraus. In diesem Buch wurde viel über die Geschichte unseres Ortes vom Autor Leo de Jong zusammen getragen, so dass wir auf seine Recherchen hin, noch einiges erfahren und zusammentragen konnten.

An dieser Stelle danke ich der Gemeinde Nierderzier und Herrn de Jong für dieses Buch, welches uns und unsern Nachkommen die Geschichte von Lich-Steinstraß erschließt.

Leider fehlen uns Aufzeichnungen darüber, wer in den ersten 130 Jahren die Bruderschaft führte, trotzdem haben wir einiges zusammen getragen. Wir konnten das von Herrn de Jong zusammen getragene ein wenig ergänzen und somit über die letzten 50 Jahre ausführlich berichten. Wir hoffen, dass wir Ihnen hiermit ein wenig aus unserer langen traditionsreichen Geschichte vermitteln konnten.

Ich möchte allen, besonders Leo Müller, Matthias Schmitz, Stefan Müller, Juliane Müller und Patrick Meller, danken, die zum Erstellen dieser Chronik beigetragen haben.

Herzlichen Dank

Matthias Ingermann
1. Vorsitzender

Chronik der St. Matthias Bruderschaft Lich – Steinstraß

recherchiert und aufgeschrieben von Leo Müller

Neben den Chroniken des unvergessenen Brudermeisters und richtungsweisenden Gestalters der Fußwallfahrt als Wallfahrsleiter Jean Rütt, gibt es über die Geschichte der St. Matthias Bruderschaft noch folgendes zu berichten:

Laut eines noch vorhanden Kassenbuches von 1931, waren mit der Bruderschaft Lich- Steinstrass eng verbunden, die Matthiasbrüder und Schwestern aus den Orten Oberzier, Niederzier, Hambach, Arnoldsweiler, Oberembt, Rödingen, sogar Klein-Hau und Kalterherberg (wo kollektiert wurde) sind auf der “Haben-Seite“, des Kassenbuches aufgeführt. Auf der “Ausgaben-Seite“ finden wir die Orte Simmerath, Monschau, Kalterherberg, Hellenthal und Losheim, wo unter anderem Heu und Hafer für die Pferde des Begleitwagens oder für Reparaturen ausgegeben wurde. Des weiteren sind Ausgaben für den Grenzpass verzeichnet, da der Weg zum Apostelgrab teilweise durch Belgien führte.

Daraus ergibt sich, dass bis Anfang des Krieges im Jahr 1939 der Pilgerweg an der Grenze entlang in Richtung Prüm – Trier verlaufen ist. In den Jahren 1940 -1947 sind keine Eintragungen über Wallfahrten zum Apostelgrab vorhanden.

Erst 1948, sind 16 Fußpilger namentlich mit Bleistift aufgeführt. Im gleichen Jahr erfolgte eine zweite Fußwallfahrt die bereits 29 Pilger verzeichnete. Aus den vorhanden Aufzeichnungen geht hervor, dass die Wege nach Trier mehrfach verändert wurden, immer auf der Suche, der Belästigung durch Lärm und Verkehr zu entkommen, so wie den Zustand der Wege und die Quartiersuche zu berücksichtigen. Außerdem sollte es den Pilgern ermöglicht werden, die Gebetsordnung ungestört einhalten zu können, Gespräche miteinander zu führen und auch die Schönheit der Natur zu genießen.

Interessant ist außerdem ein loser Zettel in einem Beitragsbüchlein, welcher den alten Pilgerweg beschreibt, der im folgenden aufgeführt ist. (Leider war dieser Zettel ohne ein Datum versehen)

1. Tag Frühstück: Arnoldsweiler (Hintzen)
Mittag: Stockheim (Wirtschaft)
Kaffeepause: Embken (Wirtschaft)
Abend: Hergarten (Wirtschaft Kühn)
Übernachtung im Hause, Männer im Saal, Frauen in den Betten

2. Tag Frühstück: Oberhausen (Wirtschaft Stollenwerk)
Mittag: Platis (Wirtschaft)
Kaffeepause: Ramscheiderhöhe
Abend: Losheim (Wirtschaft Balter)

3. Tag Frühstück: Schneeeifel
Mittag: Prüm (Wirtschaft Kölner Hof)
Kaffeepause: Lasel (Wirtschaft)

Hier endet die Aufzeichnung, anzunehmen ist jedoch, dass Abends in Bickendorf genächtigt wurde, und es dann am 4. Tag weiter über Bitburg die B51 entlang bis Trier ging.

In den Jahren 1950 -1951 hat man dann den Pilgerweg über Üdingen gewählt, dieser Entschluss lag der Tatsache zu Grunde, dass der Altbrudermeister Peter Proenen, der maßgeblich die Üdinger Gruppe von Matthiasverehrer aufgebaut hatte, seit Jahrzehnten zum Wallfahrtsweg der Steinstraßer Pilger, selbst mit dem Leiterwagen hingefahren wurde.

Durch den Weg über Üdingen schlossen sich nach und nach immer mehr Fußpilger aus Üdingen und Umgebung an und wurden später als Brudermeister und Vorstandsmitglieder tätig. Da nun der Ort Üdingen fest in den Pilgerweg eingebunden war, ergab sich noch die Möglichkeit das Kloster Steinfeld auf der Rückpilgerung im Pilgerweg festzuschreiben. So ist es bis heute, trotz vieler Änderungen des Pilgerweges, geblieben und so wird der Eifeldom mit den sterblichen Überresten des Hl. Hermann- Josef auf dem Rückweg besucht.

Mit der Umsiedlung des alten Ortes Lich–Steinstaß zu Jülich Lich-Steinstraß, musste nun eine neue Pilgerstrecke gesucht und gefunden werden. In den ersten Jahren wurde jedoch immer noch wie in den Jahren zuvor, die Strecke über Arnoldsweiler, zum Frühstück in der Wirtschaft Hintzen, dann Düren, Kreuzau, Üdingen zur Mittagspause, über Rath bei Nideggen, Berg bis zum Nachtquartier nach Hergarten gegangen.

Am 2. Tag über Kall, Marmagen, Schmidtheim bis nach Dahlem, wo die Nacht verbracht wurde.

Der 3. Tag wurde die B51 entlanggegangen durch Olzheim, Prüm (Mittagspause), Schönecken, Nimsreuland, Lasel, Seffern und endete in Bickendorf.

Tag 4 ging ebenfalls weiter die B51 entlang, Bitburg, Meilbrück bis man schließlich in Trier angelangt war.

In den zurückliegenden Jahren hat es immer wieder kleinere und größere Änderungen des Weges gegeben, unsere Wege führten uns nun fernab vom rollenden Verkehr, mit Ausnahme bis kurz vor Trier, ruhig dem Ziel der St. Matthias Basilika entgegen, doch den Nachtquartier Orten: Hergarten, Dahlem, Bickendorf und natürlich Trier sind wir, trotz Ausweitung der nächtlichen Unterbringung auf Nebendörfer, bisher treu geblieben.

Unsere jetzige Pilgerstrecke führt uns durch folgende Orte und Wege:

1. Tag: Lich-Steinstraß, Jülich, Altenburg, Rurwanderweg , Birkesdorf,
Lendersdorf, Üdingen, Rath, Nideggen, Berg, Hergarten

2. Tag Hergarten, Wildpütz, Kall, Parkplatz Urft, Marmagen, Pilgerkreuz mit
hl. Messe, Schmidtheim, Dahlem (Baasem)

3. Tag Abfahrt von Dahlem und Baasem nach Stadtkyll, Steffeln, Büdesheim,
Weißenseifen, Burbach, Seffern, Bickendorf mit anschließender hl. Messe,
danach teilweise Aufteilung der Gruppe zum Sporthotel Bitburg

4. Tag Abfahrt Bickendorf bis Esslingen, ab Bitburg direkt nach Esslingen, Gilzem,
Sirzenich, Wegkreuz an Straße Richtg. Markusberg, Abtei St. Matthias anschl. „Estricher Hof“

5. Tag Festhochamt zur Hauptpilgerzeit und Erholungstag

6. -. 9. Tag Rückpilgerung, dieselbe Strecke in umgekehrter Reihenfolge

Seit dem Jahr 1931 bis in die letzten Jahre des Krieges hat der jeweilige Pfarrer des Ortes Lich–Steinstraß das Kassenbuch geprüft und unterschrieben, was von einer guten Zusammenarbeit von Pfarrer und Bruderschaft zeugte, es soll in den späteren Jahren nicht immer so gewesen sein. Die Gründe hierfür wurden vielseitig ausgelegt, doch die Hauptsache ist und bleibt, dass die Fußwallfahrt weiterhin Bestand hat.

Es ergibt sich nun aus den spärlichen Aufschreibungen und Notizen zusammenfassend folgendes Bild:

Die tragende Säule in der Bruderschaft vergangener Jahre, waren Jean Rütt, 1. Brudermeister, Wallfahrtsleiter und Chronist von 1928 bis zu seinem Tode im Jahre 1966, der nach seinen Nachforschungen und stützend auf ein altes Andachtsbuch, das Gründungsjahr einer selbständigen Bruderschaft auf das Jahr 1802 festschrieb.

Sein Nachfolger als Wallfahrtsleiter, wurde der Präfekt Wilhelm Ingermann, der auch die Chronik weiter schrieb, sein Stellvertreter wurde Matthias Schmitz. Präfekt Ingermann, der 27 mal Jean Rütt als Pilger begleitet hatte, versprach ihm, die Fußwallfahrt in seinem Sinne auch nach seinem Tode fortzuführen und so geschah es auch.Im Jahr 1978 legte Wilhelm Ingermann seine Ämter nieder und auf seinen Vorschlag wurde Matthias Schmitz 1. Vorsitzender und sein Sohn Matthias Ingermann neuer Wallfahrtsleiter. 1980 verstarb er im Alter von 72 Jahren und konnte auf 40 Jahre Fußwallfahrt zurückblicken. Nach seinem Tode, übernahm Anna Busch das Amt des Chronisten, das sie viele Jahre mit munterer Feder ausführte.

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